Hier lohnt es sich, genau zu lesen, weil im Netz viel Halbwissen kursiert. Das Bundesarbeitsministerium hat am 18. Juni 2026 einen Referentenentwurf zur Reform des Arbeitszeitgesetzes vorgelegt. Kernpunkt: Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit sollen künftig elektronisch und noch am selben Arbeitstag festgehalten werden. Per Tarifvertrag oder einer darauf gestützten Betriebsvereinbarung soll eine längere Frist möglich bleiben, spätestens bis zum Ablauf des siebten auf den Arbeitstag folgenden Kalendertags.
Ein Referentenentwurf ist die erste Textfassung aus dem Ministerium. Kabinettsbeschluss, Bundestag und Zustimmung des Bundesrats stehen noch aus, Änderungen im parlamentarischen Verfahren sind der Normalfall. Es gibt also derzeit keine gesetzliche Pflicht zur elektronischen Zeiterfassung, und ein verbindliches Datum fürs Inkrafttreten existiert nicht. Wer Ihnen etwas anderes verkauft, verkauft Ihnen etwas.
Dass es schnell geht, ist auch nicht abzusehen. Das BMAS bezeichnet den Text selbst als interne Arbeitsfassung, er wurde nie offiziell veröffentlicht, und die Reform war im Koalitionsausschuss Anfang Juli 2026 nicht Teil des beschlossenen Pakets. Über die wöchentliche Höchstarbeitszeit sind sich die Koalitionspartner weiterhin nicht einig, und aus den Arbeitgeberverbänden kommt deutliche Kritik. Änderungen im weiteren Verfahren sind daher nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich.
Der Entwurf koppelt das Inkrafttreten übrigens nicht an ein festes Datum, sondern an den ersten Tag des auf die Verkündung folgenden Quartals. Auch deshalb kann seriös niemand sagen, ab wann die elektronische Form gilt.
Vorgesehen sind gestaffelte Übergangsfristen ab Inkrafttreten:
| Betriebsgröße |
Übergangsfrist |
| Ab 250 Beschäftigte |
1 Jahr nach Inkrafttreten |
| 50 bis 249 Beschäftigte |
2 Jahre nach Inkrafttreten |
| Unter 50 Beschäftigte |
5 Jahre nach Inkrafttreten |
| Bis 10 Beschäftigte |
Dauerhaft von der elektronischen Form befreit |
Wichtig: Die Übergangsfristen betreffen nur die Form, also elektronisch statt analog. Die grundsätzliche Pflicht zur Zeiterfassung gilt bereits jetzt, auch für Kleinbetriebe, und auch für die zehn Beschäftigten, die von der elektronischen Form dauerhaft befreit wären. Und für Baubetriebe gilt unabhängig davon die Aufzeichnungspflicht aus §17 MiLoG, die kein Entwurf, sondern geltendes Recht ist.