StempelZeit – Zeiterfassung für Baustellen
Ratgeber

Zeiterfassung Pflicht 2026: Was Bau­betriebe wissen müssen

Kurz vorweg: Die Arbeitszeiterfassung ist im Baugewerbe schon heute Pflicht, seit dem BAG-Beschluss vom 13. September 2022. Eine gesetzliche Pflicht zur elektronischen Erfassung gibt es dagegen noch nicht: Sie steht im Referentenentwurf des Bundesarbeitsministeriums vom 18. Juni 2026, der das parlamentarische Verfahren noch vor sich hat. Dieser Ratgeber trennt beides sauber und zeigt, was für Baubetriebe jetzt gilt und was erst geplant ist. Rechtsstand: September 2026.

Justitia-Figur mit Richterhammer und Gesetzbuch

Die Pflicht gilt bereits jetzt

Viele Betriebe glauben, die Zeiterfassungspflicht kommt erst 2026. Das stimmt nicht ganz. Das Bundesarbeitsgericht hat am 13. September 2022 entschieden, dass Arbeitgeber in Deutschland die Arbeitszeiten aller Beschäftigten systematisch erfassen müssen (BAG, 1 ABR 22/21). Das gilt seit dem Beschluss, unabhängig von der Betriebsgröße.

Rechtsgrundlage ist der unionsrechtskonform ausgelegte §3 Abs. 2 Nr. 1 Arbeitsschutzgesetz. Das BAG bezog sich dabei auf das EuGH-Urteil vom 14. Mai 2019 (das sogenannte „Stechuhr-Urteil"), das EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, ein objektives und zugängliches System zur Arbeitszeiterfassung vorzuschreiben.

Für das Baugewerbe gelten zusätzlich die verschärften Dokumentationspflichten aus dem Mindestlohngesetz (§17 MiLoG). Baubetriebe gehören zu den Branchen nach §2a Schwarz­arbeits­bekämpfungs­gesetz und müssen Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit aufzeichnen. Frist: spätestens 7 Kalendertage nach dem Arbeitstag.

Elektronische Zeiterfassung 2026: geplant, noch nicht beschlossen

Hier lohnt es sich, genau zu lesen, weil im Netz viel Halbwissen kursiert. Das Bundesarbeitsministerium hat am 18. Juni 2026 einen Referentenentwurf zur Reform des Arbeitszeitgesetzes vorgelegt. Kernpunkt: Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit sollen künftig elektronisch und noch am selben Arbeitstag festgehalten werden. Per Tarifvertrag oder einer darauf gestützten Betriebsvereinbarung soll eine längere Frist möglich bleiben, spätestens bis zum Ablauf des siebten auf den Arbeitstag folgenden Kalendertags.

Ein Referentenentwurf ist die erste Textfassung aus dem Ministerium. Kabinettsbeschluss, Bundestag und Zustimmung des Bundesrats stehen noch aus, Änderungen im parlamentarischen Verfahren sind der Normalfall. Es gibt also derzeit keine gesetzliche Pflicht zur elektronischen Zeiterfassung, und ein verbindliches Datum fürs Inkrafttreten existiert nicht. Wer Ihnen etwas anderes verkauft, verkauft Ihnen etwas.

Dass es schnell geht, ist auch nicht abzusehen. Das BMAS bezeichnet den Text selbst als interne Arbeitsfassung, er wurde nie offiziell veröffentlicht, und die Reform war im Koalitionsausschuss Anfang Juli 2026 nicht Teil des beschlossenen Pakets. Über die wöchentliche Höchstarbeitszeit sind sich die Koalitionspartner weiterhin nicht einig, und aus den Arbeitgeberverbänden kommt deutliche Kritik. Änderungen im weiteren Verfahren sind daher nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich.

Der Entwurf koppelt das Inkrafttreten übrigens nicht an ein festes Datum, sondern an den ersten Tag des auf die Verkündung folgenden Quartals. Auch deshalb kann seriös niemand sagen, ab wann die elektronische Form gilt.

Vorgesehen sind gestaffelte Übergangsfristen ab Inkrafttreten:

Betriebsgröße Übergangsfrist
Ab 250 Beschäftigte 1 Jahr nach Inkrafttreten
50 bis 249 Beschäftigte 2 Jahre nach Inkrafttreten
Unter 50 Beschäftigte 5 Jahre nach Inkrafttreten
Bis 10 Beschäftigte Dauerhaft von der elektronischen Form befreit

Wichtig: Die Übergangsfristen betreffen nur die Form, also elektronisch statt analog. Die grundsätzliche Pflicht zur Zeiterfassung gilt bereits jetzt, auch für Kleinbetriebe, und auch für die zehn Beschäftigten, die von der elektronischen Form dauerhaft befreit wären. Und für Baubetriebe gilt unabhängig davon die Aufzeichnungspflicht aus §17 MiLoG, die kein Entwurf, sondern geltendes Recht ist.

Was genau dokumentiert werden muss

Die Aufzeichnungspflicht nach MiLoG §17 und dem BAG-Beschluss umfasst:

  • Beginn der täglichen Arbeitszeit
  • Ende der täglichen Arbeitszeit
  • Dauer der täglichen Arbeitszeit
  • Überstunden (§16 Abs. 2 ArbZG)

Die Aufzeichnung muss spätestens 7 Kalendertage nach dem Arbeitstag erfolgen. Die Unterlagen sind mindestens 2 Jahre aufzubewahren.

Pausen sind nach aktuellem Recht empfohlen, werden mit der ArbZG-Reform 2026 voraussichtlich ebenfalls verpflichtend.

Bußgelder und Strafen

Die Strafen bei Verstößen gegen die Dokumentationspflicht sind erheblich:

Verstoß Bußgeld
Fehlende oder verspätete Aufzeichnung (§21 MiLoG) Bis zu 30.000 € pro Verstoß
Verstoß gegen Höchstarbeitszeiten/Ruhezeiten (§22 ArbZG) Bis zu 30.000 €
Vorsätzliche Gefährdung oder beharrliche Wiederholung (§23 ArbZG) Freiheitsstrafe bis 1 Jahr oder Geldstrafe

Der Zoll (Finanzkontrolle Schwarzarbeit) kontrolliert regelmäßig auf Baustellen. Bei einer Kontrolle müssen die Arbeitszeitnachweise vor Ort vorgelegt werden können. Wer dann nur zerknitterte Stundenzettel aus der Hosentasche zieht, hat ein Problem.

Was Bau- und Handwerksbetriebe jetzt tun sollten

Wer noch mit Papier-Stundenzetteln arbeitet, muss nicht in Panik verfallen: Es gibt keine Frist, die im Nacken sitzt, weil die elektronische Pflicht noch nicht beschlossen ist. Der Handlungsdruck kommt aus einer anderen Richtung. Die Aufzeichnungspflicht nach §17 MiLoG gilt heute, der Zoll kontrolliert heute, und ein Papierzettel, der auf der Baustelle liegen bleibt, ist heute ein Bußgeldrisiko. Wer jetzt umstellt, tut das aus Eigeninteresse und hat die ArbZG-Reform nebenbei schon erledigt, wenn sie kommt.

Für Baubetriebe mit 5 bis 50 Mitarbeitern lohnt sich eine einfache, mobile Lösung: Mitarbeiter stempeln per Handy, das Büro hat die Daten sofort. Kein Nachtippen, keine fehlenden Zettel, kein Ärger bei der nächsten Zollkontrolle. Welche Methode sich bei wechselnden Baustellen bewährt, zeigt unser Ratgeber zur Zeiterfassung auf der Baustelle.

Digitale Zeiterfassung Handwerk Pflicht: Was gilt für Handwerksbetriebe?

Für Handwerksbetriebe, ob SHK, Elektro, Trockenbau, Maler oder Fliesenleger, gelten die gleichen Anforderungen wie für Baubetriebe. Wer Mitarbeiter beschäftigt, muss deren Arbeitszeit systematisch erfassen. Die elektronische Form kommt erst mit der ArbZG-Reform dazu, und für Betriebe unter 50 Beschäftigten dann mit fünf Jahren Übergangsfrist. Gerade kleinere Handwerksbetriebe ohne eigene IT-Abteilung profitieren von einer browserbasierten Lösung: kein Software-Rollout, keine App-Installation auf jedem Handy, einfach ein Link. StempelZeit ist genau dafür gebaut: transparente Preise ab 19 € pro Monat findest du in der Preisübersicht.

Weiterlesen:

Häufige Fragen zur Zeiterfassungspflicht im Bau

Ist Zeiterfassung im Baugewerbe Pflicht?

Ja. Seit dem BAG-Beschluss vom 13. September 2022 müssen Arbeitgeber die Arbeitszeit aller Beschäftigten systematisch erfassen, unabhängig von der Betriebsgröße. Für Baubetriebe kommt §17 MiLoG dazu: Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit, aufgezeichnet spätestens 7 Kalendertage nach dem Arbeitstag und 2 Jahre aufbewahrt.

Ist die elektronische Zeiterfassung ab 2026 Pflicht?

Nein, Stand September 2026 nicht. Die elektronische Erfassung steht im Referentenentwurf des Bundesarbeitsministeriums vom 18. Juni 2026. Kabinettsbeschluss, Bundestag und Bundesrat stehen noch aus, ein Datum fürs Inkrafttreten gibt es nicht. Die Pflicht zur Zeiterfassung als solche gilt aber bereits.

Welche Übergangsfristen sind für kleine Betriebe geplant?

Nach dem Entwurf gilt ab Inkrafttreten: 1 Jahr für Betriebe ab 250 Beschäftigten, 2 Jahre für 50 bis 249, 5 Jahre für Betriebe unter 50 Beschäftigten. Betriebe bis 10 Beschäftigte wären dauerhaft von der elektronischen Form befreit, nicht aber von der Zeiterfassung selbst.

Welches Bußgeld droht bei fehlender Zeiterfassung im Bau?

Fehlende, unvollständige oder verspätete Aufzeichnungen kosten nach §21 MiLoG bis zu 30.000 € pro Verstoß. Verstöße gegen Höchstarbeits- und Ruhezeiten nach §22 ArbZG ebenfalls bis zu 30.000 €. Kontrolliert wird auf der Baustelle durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls.

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